Die lieben Nachbarn!

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    • Die lieben Nachbarn!

      Nachbarschaft ist oft nicht ganz einfach, wenn man Tierhalter ist. Immer wieder hört man sich geduldig die ewig gleichen Beschwerden an und kann doch nur recht wenig gegen die Sturheit des kleinen Lieblings ausrichten.

      Eine Katze zu halten ist ein Teil der persönlichen Freiheit, die einem Menschen nicht versagt werden darf, auch nicht vom Eigentümer einer Wohnung oder eines Grundstücks. Selbstverständlich darf er sich jedoch vertraglich oder in der Gemeinschafts- und Hausordnung einige Freiheiten genehmigen, welche die Tierhaltung regeln.

      Das Verständnis der Umwelt hält sich jedoch oft in Grenzen, wenn der eigene Wirkungsbereich überschritten wird. Doch sowohl Katzenhalter als auch Nachbarn haben sich an Gesetze zu halten, die einen Zaunstreit schon im Keim ersticken sollten. Auch Tierhalter haben selten den Überblick, was sie bei einer Haltung mit angrenzenden Wohnungen oder Grundstücken beachten müssen. Gleichwohl wie der feindselige Nachbar allerdings, der oft unrealistische Vorstellungen darüber hat, was er dulden muss und was nicht.
      Ganz klar, es gibt Grenzen im nachbarschaftlichen Streit um die Tierhaltung, aber diese ist nicht immer glasklar.
      Hier möchte ich mit einigen Vorurteilen aufräumen, anhand von bestätigten Gerichtsurteilen die Zumutbarkeit feststellen und so das Miteinander etwas leichter verständlich zu machen. Dann klappt´s auch mit dem Nachbarn. ;)


      Streunende Katzen auf fremden Grundstücken

      Freilaufenden Katzen kann man kaum Einhalt gebieten. So ist es selbstverständlich, dass Freigänger ihr Revier abstecken und dieses auch ausgiebig nutzen. Nicht immer ist das gern gesehen. Vor allem Nachbarn, denen das schöne Gemüsebeet oder der teure und gepflegte Rasen täglich vollgekotet wird oder die auf ihrer Terrasse immer wieder Tretminen aus Kot oder Erbrochenem finden, haben ihre liebe Mühe, sich damit ganz einfach abzufinden. Auch Vogelliebhaber und Familien mit Kindern, deren Sandkasten ständig verunreinigt ist, haben wenig Verständnis für die Bedürfnisse unserer Freigänger. Müssen sie auch nicht. Gröbere Verschmutzungen des Eigentums sind nicht hinnehmbar.

      Auch das Betreten von Häusern stellt ein großes Problem dar, vor allem dann, wenn es sich um unkastrierte Kater handelt, welche überall ihre Reviermarken hinterlassen. Auch Essensdiebstähle oder Verunreinigung des Eigentums müssen nicht einfach hingenommen werden.

      Hier fängt jedoch das Problem des Katzenhalters an. Katzen lassen sich leider nicht gängeln und verstehen nicht, wo ihre Menschen die Grenzen gezogen haben. Sie werden immer und immer wieder in Nachbars Garten oder sogar in dessen Haus landen, wenn sie diese Orte als Bestandteil ihres Revieres auserkoren haben.

      Es gibt nun zwei Möglichkeiten, um einem Nachbarschaftsstreit aus dem Wege zu gehen. Der Nachbar kann sich nur damit behelfen, die Katzen zu verjagen. Dazu hat jedoch der Gesetzgeber gewisse Regeln erlassen, die ich später näher erläutern werde. Er hat jedoch nicht das Recht, die Katzenhaltung generell zu verbieten, sofern durch sie sein Grundstück nur unwesentlich beeinträchtigt wird.

      Der Katzenhalter hat die Möglichkeit, eine gütliche Einigung mit dem Nachbarn anzustreben. Hier können zum Beispiel kostenlose Reinigungsarbeiten an Haus und Garten vorgeschlagen werden, wenn der Nachbar dem zustimmt. Eine gegenseitige Rücksichtnahme ist allen anderen Vorgehensweisen immer vorzuziehen, wenngleich dies unter gewissen Nachbarn oft nicht so einfach bis unmöglich ist. Auch eine katzensichere Barriere, bezahlt vom Halter, kann in einigen Fällen hilfreich sein.


      Lärm- und Geruchsbelästigung

      Katzen sind im Gegensatz zu Hunden recht ruhige Tiere. Bis auf eine Ausnahme: Wenn das unkastrierte Weibchen rollig ist und dies in die Welt hinausschreit. Vorzugsweise kommen diese Singtiraden nachts vor und halten jeden im näheren Umkreis vom Schlafen ab. Unkastrierte Kater müssen ihren Stellenwert in der felinen Gesellschaft durch ständiges Markieren festlegen. Diese Duftspuren sind für unsere Menschennasen kaum auszuhalten. Schlimmer ist es nur, wenn diese Markierungen im Inneren eines Hauses getätigt werden, denn aus Wänden und Möbeln sind diese extremen Gerüche nur durch den Einsatz schärfster Mittel und viel Geduld und Spucke zu entfernen.


      Nachbarn mit Katzenallergie

      Lebt in unmittelbarer Nachbarschaft eine Person, die auf Katzenhaare bzw. Katzenspeichel allergisch reagiert, so kann per Gerichtsbeschluss verlangt werden, dass die Katze aus der Wohnanlage ausziehen muss. Im Landgericht München wurde dieser Fall eindeutig geklärt. Es wurde hervorgehoben, dass die Vermeidung eines Allergieanfalls schwerwiegender ist als das Recht darauf, Katzen zu halten. Um derartige Situationen zu vermeiden ist es angeraten, vor der Unterschrift auf dem Mietvertrag den neuen felinen Hausbewohner anzukündigen. So kann der Katzenhalter selbst noch vom Vertrag zurücktreten und sich und seinem Stubentiger ein Zuhause suchen, in dem beide willkommen sind.


      Sachbeschädigung und Schadenersatz

      Generell gilt: Was meine Katze kaputt macht, das habe ich zu bezahlen – ohne Wenn und Aber. Jedoch ist die Abwägung oft nicht ganz einfach.Hier zwei kleine Beispiele, die bereits Nachbarschaftsstreitigkeiten hervorgerufen und die Gerichte beschäftigt haben.
      Hat der Nachbar eine besondere Vorliebe für seltene Fische oder Vögel, so wird die Katze diese Tiere nicht als Schauobjekt ansehen, sondern als willkommene Beute. Nicht selten kommt es dadurch zu Nachbarschaftsstreitigkeiten, besonders dann, wenn die Katze nicht in flagranti erwischt wurde. Der Nachbar hat das Recht, einen Schadenersatzanspruch geltend zu machen, muss aber unbestreitbar nachweisen, welche Katze genau seinen Fisch oder Vogel gefangen und verspeist hat. Kann er das nicht (und dies ist die häufigste Variante), sind der Nachbar und dessen Katze fein raus. Hat er aber doch ein Beweisfoto oder ähnliches, dann muss der Katzenhalter für den entstandenen Schaden aufkommen, er muss jedoch seine Katze auch in Zukunft nicht im Hause eingesperrt lassen.



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      Katzen finden es ganz besonders angenehm, auf warmen Motorhauben oder von der Sonne aufgeheizten Autodächern zu relaxen. Die Fußabdrücke, die sie hinterlassen, sind zwar für den Inhaber des Fahrzeugs lästig und ärgerlich, aber schnell mit einer Dusche wieder verschwunden. Anders hingegen verhält es sich mit Kratzspuren auf der Lackoberfläche, die von Nachbars Katze stammen. Wer den Umgang mancher Menschen mit ihrem Fahrzeug beobachtet, der weiß, dass die Ausschreitungen wegen kleinen Kratzern oft ungeahnte Ausmaße annehmen können.

      Es verhält sich hierbei genauso wie bei den Fischen. Der Autobesitzer muss Beweise vorlegen, dass die Kratzer von der beschuldigten Katze verursacht wurden. Bringt er keine Beweise vor, kann ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Selbst wenn er feststellt, dass es sich um Kratzspuren einer Katze handelt, so ist immer noch nicht geklärt, von welcher aus der Nachbarschaft. Vielfach stellt es sich aber auch heraus, dass die Sache ganz einfach auf Grunde eines versuchten Versicherungs- und Schadenersatzbetruges zur Anzeige gebracht wurde.


      Wie darf und kann sich der Nachbar wehren?

      Oft versuchen genervte Nachbarn, einen Unterlassungsbeschluss zu bewirken, meist jedoch ohne Erfolg. Das eine Mal fehlen die Beweise, die er für diesen Fall vorlegen müsste, wenn der Katzenhalter die Vorwürfe abstreitet.

      Was er jedoch darf, ist, die unerwünschten Tiere von seinem Grundstück oder aus seinem Haus zu vertreiben. Achtung Katzenhalter: Er darf die Katze sogar einfangen und einsperren, auch wenn das aus der Sicht der Katzenbesitzer unerhört erscheinen mag. Was er allerdings nicht darf, ist gegen das Tierschutzgesetz handeln und der Katze unnötige Schmerzen zufügen. Bei allen Verjage- und Fangversuchen muss er darauf achten, die Methode zu wählen, die der Katze keinen Schaden zufügt.

      Ist die Katze jedoch bereits so weit, das Revier in Nachbars Garten und Haus zu markieren und den Sandkasten zu verkoten, dann kann er den gerichtlichen Weg gehen, sofern er direkte Beweise gegen das bestimmte Tier vorlegen kann. Die schönere Variante ist jedoch, es erst mit Hausmittelchen zu versuchen. Die kleine Spritzflasche als Gegenoffensive oder der Kaffeesatz im Gärtchen können oft Wunder wirken, ohne den Staat und sein eigenes Gemüt zu belasten.

      Bei einer schön gepflegten Anlage mit Blumenbeeten, Teichen mit Zierfischen oder einem Lebensraum für seltene und geschützte Vögel sieht die Sache etwas anders aus. Hier gilt zwar das Persönlichkeitsrecht des Katzenhalters, der Nachbar ist jedoch genauso schützenswert durch seinen Einsatz für die Natur und sein eigenes Persönlichkeitsrecht. Wer seiner Freigängerkatze kein Glöckchen umhängt, das Vögel und auch den Nachbarn über deren Anwesenheit informiert, muss sie dann leider abgeben oder ihr den Freigang verwehren.

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      Liebe Grüße, Chri­stiane